Medienmacht und Widerspruchserfahrung

 

Peter Bathke, Hermann Kopp, Werner Seppmann (Hg.)

Medienmacht und Widerspruchserfahrung

 

153 S., broschiert
12,90 Euro
ISBN 978-3-89144-395-8

 

Fragt man nach den Gründen der Verbreitung und des Einflusses der neoliberalen Ideologie in den sozialen Auseinandersetzungen der jüngsten Zeit, so stößt man unweigerlich auf die Rolle der Massenmedien. Ohne die aktive Mithilfe des Medienapparates könnte die Ideologie der Deregulierung und des ungebremsten Marktes nicht so tief in das allgemeine Bewusstsein eindringen. Jedoch wäre die geistige Formierung nicht so leicht möglich, hätten die verbreiteten »Lösungsvorschläge« nicht auch für die Krisenopfer einen Schein von Plausibilität.

Die neoliberalistische Propaganda hätte sich nicht so reibungslos durchsetzen können, wenn eine breite kritische Öffentlichkeit mit wirkungsvollen Möglichkeiten zur Gegenartikulation existieren würde. Alle einschlägigen Untersuchungen belegen, dass bei der Mehrheit der Bevölkerung, trotz der in Ermangelung von Alternativen häufigen Übernahme herrschaftskonformer Interpretationsschablonen, das Wissen um die sozialen Konfliktlinien nicht verschwunden ist.

Im Rahmen der bestehenden Macht- und Ohnmachtsverhältnisse gelingt es dem Medienapparat zwar meist, das letzte (der Realität und der Wahrheit widersprechende) Wort zu behalten. Mangels Alternativen werden seine »Sprachregelungen« übernommen. Doch werden dadurch die alltäglichen Widerspruchserfahrungen nicht suspendiert. Die Manipulationsapparate sind also nicht allmächtig. Darin liegt die Chance sozialer Aufklärungsprozesse und politischer Selbstbestimmung, zu denen auch die Projekte einer medialen Gegenwehr gehören.